• Pia Köhler

Sport ist kein Mord

Aktualisiert: Mai 12



Als Kind hatte ich Bewegung gehasst. Mein Eltern gingen gern spazieren, wandern oder fuhren Rad mit uns, aber meine liebste Bewegung bestand darin, meine Ärmchen

in die Luft zu strecken und so lange zu quengeln, bis ich endlich getragen wurde. Und wenn ich doch mal selbst gehen musste, maulte ich so lange, bis sie mir drohten, dass sie mich das nächste Mal daheim ließen. Mein Herz hüpfte vor Freude, denn ich konnte mir keine schönere Strafe vorstellen als nicht mehr wandern zu müssen. Doch bis zum nächsten Mal hatten sie es leider immer wieder vergessen und ich musste doch mit.



Der einzig coole Sport war für mich der „Kaffeeklatsch“ im Kindergarten.


Sobald jemand „Kaffeeklatsch“ rief, mussten wir uns alle schnell hinsetzen und klatschen und bei „Marienkäfer“ lagen wir auf dem Rücken und zappelten mit allen Vieren in der Luft. Das war für mich perfekt. Hauptsache, ich konnte dabei sitzen oder liegen.


Der Schulsport auf dem Gymnasium war für mein bisheriges Leben genauso notwendig wie Geometrie im Matheunterricht. Nämlich überhaupt nicht. Für was sollte das gut sein? Ich erinnere mich noch allzu gut daran, dass wir über einen Bock springen mussten. Wer springt denn als Erwachsene/r bitte noch über Böcke???

Mach das mal! Danach springt der Bock höchstwahrscheinlich auch über dich.




Oder der Feldaufschwung beim Reckturnen. Hab ich bisher jeden Tag gebraucht...nicht! Mir würde auch nur ein einziger Spielplatz einfallen, bei dem sowas wie ein Reck stehen würde, falls es mich überkommt.

Ich sehe jetzt schon, wie mich alle angaffen würden, weil die Schlange an Kindern vor dem Reck so lange ist, bis ich es mit Mühe und Not hochgeschafft habe, so da zu hängen wie ein Faultier.




Selbst Schwimmen hab ich in der Schule gehasst, obwohl ich es liebe im Wasser zu sein. Während die anderen schon die fünfte Bahn Brust schwammen, strampelte ich wie ein Hund durchs Wasser und hechelte dabei auch wie einer.



Mit 18 probierte ich es mit Fitnessstudio. Meine einzige Antriebsfeder, hinzugehen, war die Abbuchung der monatlichen Gebühr. Zu meiner Erleichterung zog das Fitnessstudio nach ein paar Monaten um. Ich war somit wieder vom Sport befreit. Damals war ich auch noch rank und schlank gewesen und mein Körper konnte locker Burger, Pommes und Süßigkeiten wegstecken, ohne dass man es sah.




Im letzten Artikel "Selbstliebe ist die beste Diät " hatte ich ja geschrieben, dass ich mit Anfang 20 meine erste Diät angefangen hatte. Mein Körper begann sich nämlich für die Völlereien zu rächen.


Ich musste mich bewegen, es ging kein Weg mehr dran vorbei. Und am Besten gleich so, dass mein Stoffwechsel die Kalorien schneller verbrannte als ich zu mir nehmen konnte!

Joggen! Jawoll! Kostet nix und man kann das jeder Zeit machen. Ich rannte wie ein kopfloses Huhn los und kam genau bis zum Straßeneck, bevor ich das Gefühl hatte, ohnmächtig zusammenzubrechen, da meine Lunge so brannte. Das war also auch nicht meins!


Nächster Versuch. Ich kaufte einen Heimtrainer. Benutzt habe ich ihn. Definitiv. Und zwar als Kleiderständer.


Aaaarrrgh, es musste doch irgendetwas geben, dass mir Spaß an einer sportlichen Betätigung gab.


Ich probierte mich durch sämtliche Angebote der VHS, machte Pilates, Qi Gong, Yoga, Bootcamp irgendwas mit Dance, Bauchtanz und landete am Ende bei Kick Box Aerobic.


Da fing ich an, regelmäßig zu trainieren, das war mega Spaß. Ich machte es recht lange, aber irgendwann fiel es mir immer schwerer, mit den anderen mitzuhalten, da ja meine damaligen Diätversuche auch erfolglos geblieben waren. Ich stieg wieder auf leichtere Gymnastik um.


Was mich noch dazu sehr demotiviert hatte war, dass ich trotz des vielen Sports immer mehr danach aussah, als hätte ich mich das letzte Mal in der Grundschule bewegt.

Ich musste immer sagen: „Ich mache sehr viel Sport, auch wenn man es nicht sieht“. Zu der Zeit damals war ich ca. 4-5 Mal pro Woche ins Fitnessstudio gegangen und hatte jedes Mal eine Stunde Sport hinter mir.


Dadurch überforderte ich jedoch auch meinen Körper und wurde sehr oft krank. Irgendwann war dann auch wieder der Punkt erreicht, wo ich vor lauter Frust wieder den Vertrag kündigte, da Zumba sein Versprechen mit den 1000 verbrannten Kalorien pro Stunde bei mir zumindest nicht eingehalten hatte.


Mein Credo war von da an: Sport ist Mord. Ich hatte keinen Bock mehr auf die Tortur und machte wieder gar nichts.


Ich bekam dann aber Rücken vom Rumsitzen, weswegen ich daheim ein bisschen Yoga anfing. Und damit ich ausdauertechnisch nicht komplett einrostete, ging ich ein bisschen walken und ab und an zum Aqua Joggen.


Irgendwann wunderte ich mich. Ich war fitter, wurde nicht mehr so oft krank und meine Kleidung war trotz weniger Bewegung etwas weiter geworden. Deswegen fügte ich hier und da ein paar Sit-ups hinzu.




Alles immer in kurzen Einheiten, nicht länger als 15-20 Minuten. Ich hatte solche Angaben immer für absoluten Quatsch gehalten, nur dreimal die Woche á 15 Minuten zu trainieren, um sich wieder zu verschlanken. Wie sollte das denn bitte gehen??? Und wenn das funktionierte, wieso gingen dann andere immer noch fünf Stunden die Woche ins Fitness?


Ganz einfach!


Meiner Meinung nach ist jeder Körper auch in seinen sportlichen Bedürfnissen unterschiedlich. Jeder muss für sich selbst rausfinden, welcher Sport in welchem Maße gut ist. Manche brauchen das, richtig lange und viel Sport zu machen, weil es ihre Konstitution so verlangt.


Ich habe für mich herausgefunden, dass kurze Trainingseinheiten mit mittlerer Anstrengung viel effektiver sind als wenn ich mich eine Stunde lang auspower.

Dafür genieße ich es aber, mich fast jeden Tag ein bisschen zu bewegen, weil ich mich danach besser fühle.



Ich hab ein paar Hanteln und Fitnessbänder, eine Yogamatte, ein Trampolin und Kettlebell sowie Nigel nagelneue Lauf- schuhe.






Ja, ich habe vor ein paar Jahren doch noch das Laufen für mich entdeckt. . Aber erst nachdem ich einen Laufkurs absolviert hatte und lernte, wie ich richtig lief, ohne danach

Schmerzen zu haben. Alles, was ich jetzt an sportlicher Betätigung mache, tue ich, weil ich richtig Bock drauf habe. Und auch nicht unbedingt mit dem Ziel, abzunehmen, sondern einzig und allein aus Freude an der Bewegung.




Noch wichtiger finde ich es, sich nicht mit anderen zu vergleichen und sich Druck zu machen.


Für manche ist der Druck auch das treibende Ventil, um im Sport oder in einem anderen Bereich möglichst viel zu erreichen.


Bei mir hat es jedoch genau das Gegenteil bewirkt. Ich habe mich dadurch selbst blockiert und noch schlechter gefühlt. Bei mir funktionierts nur, wenn ich auf meinen Körper höre.


Natürlich ist ab und an auch bei mir mal das kleine Schweinehündchen am kläffen.


Wobei, neee, der ist vor mir weggelaufen, seit ich mich so bewege, dass Sport für mich kein Mord mehr ist.




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