Tadaaa, da bin ich! Vom Leben ohne Willkommensschild
- Pia Köhler
- 15. Mai 2025
- 3 Min. Lesezeit
Ich wurde nicht geplant. Ich beschreibe mal freundlich die Reaktion meiner Mom, als sie von ihrer Schwangerschaft mit mir erfuhr: „Oh Gott, ich bin schwanger. Meine ganzen Zukunftspläne gehen gerade den Bach runter.“

Und ich? Ich hab mich bemüht, daraus was zu machen.
Denn wer ungeplant kommt, stolpert oft durchs Leben wie durch eine fremde Stadt ohne Navi: ständig falsch abgebogen, immer auf der Suche nach dem richtigen Weg. Entweder ist man ein bisschen zu laut, ein bisschen zu viel oder zu wenig, aber nie ganz passend. Du fragst dich: Bin ich überhaupt auf dem richtigen Planeten gelandet? Und das seltsame Gefühl, das bleibt, bist du selbst – wie ein verlorenes Gepäckstück, das nie abgeholt wurde.
Es ist kein Drama mit dramatischer Musik. Es ist eher der stille Kummer, der sich leise wie ein Ohrwurm einnistet: das Gefühl, nie richtig gewollt worden zu sein. Immer auf „Stand-by“, falls doch mal jemand Liebe übrig hat. Man lernt früh, nicht zu viel zu erwarten – und das als Stärke zu tarnen.
Es gibt keine Geigen im Hintergrund, höchstens mal das nervige Summen der Gedanken, wenn man nachts wieder nicht schlafen kann.
Es ist der lautlose Schmerz, der sich wie ein schlecht gelaunter Mitbewohner durchs Leben zieht. Er sagt nicht viel, aber er ist immer da. Isst deine Chips und Schoki. Verstellt deine innere Stimme auf „kritisch“. Und wehe, du hast einen schönen Moment – dann flüstert er: „Na, meinst du wirklich, du hast das verdient?“
Man wird Meister darin, sich selbst kleinzureden – ein echter Schwarzgurt in innerer Zurückhaltung. Während andere sich durch die Welt bewegen wie durch einen VIP-Bereich mit Namensschild, steht man selbst draußen im Nieselregen und fragt sich, ob man überhaupt auf der Gästeliste des Lebens steht.
Meistens fühlt es sich an, als sei man nur versehentlich aufgetaucht – wie ein Plus Eins, das niemand eingeladen hat, aber trotzdem höflich bleibt.
Und das Tragikomische daran ist: Du gewöhnst dich dran. Du wirst charmant. Du wirst lustig. Du wirst die, die sich selbst auf die Schippe nimmt, bevor es jemand anderes tut. Weil das einfacher ist, als zuzugeben, wie sehr du dich manchmal nach einer Antwort sehnst auf die Frage, die du nie laut stellst: „Wollte mich eigentlich jemals jemand wirklich haben?“
Wir geistern umher, haben Angst, gesehen zu werden, obwohl doch das eigentlich unser größter Wunsch ist: endlich wahrgenommen zu werden.
Und ja, manchmal versuchen wir auch, den Schmerz mit Humor zu überschreiben. Mit einem Witz auf den Lippen den Raum verlassen, innerlich hoffend, dass wenigstens einer sagt: „Bleib doch noch.“ Aber Humor ist auch ein Pflaster. Nicht das billigste aus der Hausapotheke, aber dafür das, das glitzert. Es hilft, weiterzugehen. Auch mit Blasen an der Seele.
Wir sind die, die spät lernen, dass man auch einfach mal bleiben darf.
Dass man nicht erst etwas beweisen muss, um geliebt zu werden. Dass unsere Existenz nicht weniger wert ist, nur weil sie niemand geplant hat.
Denn das Leben ist nicht Netflix – du kannst dich nicht vorspulen oder dein Skript umschreiben. Aber du kannst aufhören, dich wie ein Platzhalter zu behandeln.
Vielleicht waren wir nicht gewollt – aber wir sind da. Und wir zählen. Jeder von uns.
Und wenn du dich darin wiedererkennst: Du bist nicht allein.
Ich sehe dich. Und ich weiß, wie schwer es ist, sich selbst eine Daseinsberechtigung zu geben, wenn man nie das Gefühl hatte, eine zu haben.
Aber hey – Überraschungen sind oft die besten Geschichten.



