• Pia Köhler

Ich fahr dieses Jahr zu mir

Fährst du dieses Jahr weg?


Ja? Dann wünsch ich dir einen wunderschönen Urlaub.


2021 ist nicht mein Reisejahr. Normalerweise zieht es mich mindestens drei Mal im Jahr irgendwohin. Am Besten noch öfter. Ich brauch(t)e das Reisen wie die Luft zum Atmen. Und am liebsten in Länder oder Städte, in denen ich noch nie war. Die einzige Ausnahme war und ist mein Wellness-Urlaub, da bin ich bis 2019 sieben Jahre in Folge immer ins gleiche Hotel gefahren.


Und mittlerweile fahren sogar Leute, die normalerweise gar nicht verreisen, schon öfter als ich weg. Als mir das bewusst wurde, hat sich das erstmal seltsam angefühlt. So gar nicht verreisen dieses Jahr? Und wenn sich etwas komisch anfühlt, bin ich als Coachin ja wie ein Schnüffelhund und fange an, zu reflektieren, warum es sich so anfühlt, wenn ich jetzt mal ein Jahr daheim bleibe.


Mir wurde langsam klar, dass das so überhaupt nicht zu mir passt und etwas komplett Neues für mich ist, nicht wegzufahren oder zu fliegen. Denn bisher war ich IMMER unterwegs gewesen. Reisen war schon immer ein wesentlicher Teil von mir.

Was war also der Knackpunkt?


Ich beschreibe das mal hier ein bisschen.


Ich bin eine kleine Abenteurerin, die immer neue Orte entdecken muss und sich an den neuen Erfahrungen auflädt. Ich bin auch sehr oft alleine weggeflogen in Länder wie Südafrika, Spanien, Ungarn, Dom Rep, Griechenland, usw.





Wenn ich alleine verreist war, war ich nie allein, denn ich hatte immer und überall Menschen kennengelernt. Neue Kontakte zu knüpfen gelang mir auf Reisen spielend. Daheim jedoch war alles anders….


Mir fiel auf, dass das Reisen für mich nicht nur Abenteuer, sondern irgendwie auch eine Flucht war. Flucht vor der Stadt und vor allem Flucht vor meinem Körper. Mir war das ewig nicht bewusst gewesen, welche Scham in mir schlummerte, nachdem ich im Laufe der Jahre ungefähr 27 kg zugenommen hatte. Im Unterbewusstsein war mir das sterbenspeinlich, wenn ich ausging und nach längerer Zeit mal wieder Leuten begegnete, die mich schlank kannten und mich dann mit meinem Kampfgewicht von fast 90 kg wiedersahen. Ich wäre jedes Mal am liebsten im Erdboden versunken. Deswegen hatte ich dann irgendwann angefangen, mich Stück für Stück zu verschließen und daheim zu bleiben.


Nur im Urlaub konnte ich sein, wie ich war, da mich meine Urlaubsfreunde vorher ja nicht gekannt hatten und mich nicht für mein Gewicht verurteilen konnten. Daheim hingegen brachen alte Kontakte ab, weil ich mich selbst nicht mehr leiden konnte und ich lernte natürlich verschlossen wie Fort Knox auch keine neuen Menschen mehr kennen. Das geschah unter anderem auch deswegen, weil ich immer fürchterliche Angst davor hatte, dass mich jemand wegen meines KörperAusmaßes beleidigen würde.

Das Fazit war, dass ich mich die letzten fünf Jahre sehr zurückgezogen hatte und hauptsächlich alleine war.


Nachdem ich in den letzten 20 Monaten endlich meine Reise durch meine Gefühlsfettschichten gemacht hatte und aktuell zwischen 22-24 kg weniger wiege, fand ich endlich den Mut, auch wieder in meiner Stadt rauszugehen und mich endlich so zu zeigen, wie ich bin. Mit dem Körper und vor allem auch mit dem Wesen, das mich ausmacht. Auch mein ganzes eigenartiges Sein offen und ehrlich in FunFacts 1 und FunFacts 2 niederzuschreiben war eine richtige Befreiung.


Und wisst ihr was? Es fühlt sich gut an, mal ein Jahr daheim zu verbringen. Denn aktuell ist die Reorganisation meines Lebens hier in der Stadt eine meiner wichtigsten Expeditionen. Mein jetziges Abenteuer ist es, die Sonne in meinem Herzen scheinen zu lassen und hier neue Kontakte zu knüpfen. Und meine größte Entdeckung bisher war, wie liebevoll ich angenommen werde, seit ich wieder ruhig und entspannt in meinem Körper zuhause bin.



33 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen